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Am Ende siegt die Liebe Gedanken über die Ewigkeit „Tag des Zornes, Tag der Zähren, wird die Welt in Asche kehren, wie Sybill und David lehren.“ Das „Dies irae“ gehörte über viele Jahrhunderte zur Liturgie der Totenmesse, dem Requiem – und dieser Text beschreibt das Endgericht durch Gott am Ende der Zeiten. Was hier allerdings so dramatisch beginnt und zunächst auch mit noch schlimmeren Schreckensbildern weitergeführt wird, mündet schließlich in überaus trostreiche Verse hinein: „Hast vergeben einst Marien (Maria Magdalena), hast dem Schächer noch verziehen, hast auch Hoffnung mir verliehen.“ Die Hoffnung des Christen auf den Himmel ist eine berechtigte Hoffnung. „Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand und keine Qual rühret sie an“, heißt es im alttestamentlichen Buch der Weisheit. Wer aber sind diese Gerechten? Gottes Gerechtigkeit unterscheidet sich von der Gerechtigkeit des Menschen. In der menschlichen Gerechtigkeit werden Gnade und Recht immer unterschieden. Wenn einem armen Sünder eine Strafe erlassen oder nur eine milde auferlegt wird, so sagt man, dass der Richter „Gnade vor Recht hat walten lassen.“ Bei Gott ist es anders. Gnade und Gerechtigkeit hängen ganz eng zusammen. Darum sagt Theresia von Lisieux: „Ich erhoffe von Gottes Gerechtigkeit so viel wie von seiner Barmherzigkeit. Weil er gerecht ist, ist er barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Güte.“ Gott will nicht den Tod des Sünders, er will, dass er umkehrt und lebt. Er hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, um diese zu richten, sondern um die Welt zu retten. Aber warum dann das Dies irae, warum das Wort vom Gericht? Je tiefer ein Mensch in die Begegnung mit Christus eingeht, umso mehr wird er etwas nahezu Erschütterndes feststellen müssen. Er wird feststellen, dass Gott den Menschen so sehr liebt, dass er immer und immer wieder Möglichkeiten sucht, wie er sich diesem Menschen zuwenden kann. Der Mensch aber wendet sich immer wieder von Gott ab, er will Gottes Liebe nicht verstehen, er will es einfach nicht begreifen, dass es keinen größeren Schatz, kein größeres Geschenk als diese Zuwendung Gottes gibt. Man ganz es drehen und wenden wie man will: Die Ablehnung der Liebe Gottes ist eine Sünde. Ich lade Schuld auf mich, wenn ich diese Liebe nicht erwidere. Doch Gott gibt den Menschen trotzdem nicht auf. Er lockt mich mit seinen Gunsterweisen, wird selber Mensch und nimmt meine, unser aller Sünden auf sich. Dafür steht das Kreuz. Und die Auferstehung steht dafür, dass Gottes Liebe weitergeht. Er will, dass wir es begreifen, dass er uns liebt. Nicht weil er unsere Liebe bräuchte, um zufrieden zu sein. Sondern weil er weiß, dass wir durch das „Ja“ zu seiner Liebe glücklich werden. Es gibt die übergroße Liebe Gottes, es gibt aber auch die übergroße Schuld des Menschen. Deshalb müsste das Gericht wirklich für jeden ein „Dies irae“, ein Tag des Zornes sein. Aber es gibt auch die übergroße Vergebung, die der göttlichen Liebe innewohnt. Gott schenkt die vergebende Liebe, und im Dasein nach unserem Tod wird uns ein Leben in dieser Liebe geschenkt sein. Doch damit wir wirklich diese Liebe mit ihm leben können, braucht es eine Reinigung unserer Seele, unserer Persönlichkeit. Wir müssen dazu hingeführt werden, dass Gott absolut Liebe ist, dass allein er genügt, wie es Teresa von Avila ausgedrückt hat. Das kann und wird wahrscheinlich auch weh tun. Es bedeutet zum Beispiel Abschied zu nehmen von manchem Götzen, den wir uns gemacht haben: Geld, Karriere, Kontrolle statt Gottvertrauen, die Unfähigkeit loszulassen, Egoismus. Dieses Loslassen um Gottes willen beschreibt Paulus im Ersten Korintherbrief mit dem Bild des Feuers: „Das Feuer wird prüfen, was das  Werk eines jeden taugt. Hält das stand, was er aufgebaut hat, so empfängt er Lohn. Brennt es nieder, dann muss er den Verlust tragen. Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch“. Deshalb spricht die Kirche auch vom Fegefeuer. Ist es möglich, dass Menschen auch in dieser Situation der Läuterung nicht begreifen, worauf es ankommt? Dann ist wirklich alles verloren. Und diesen Zustand nennt die Kirche „Hölle“. Die vielen Bilder, die die Hölle als einen Ort ewigen Feuers mit bocksbeinigen Teufeln und grimmigen Gestalten darstellen, treffen das Wesen der Hölle meines Erachtens weit weniger als folgende Geschichte: „Einem Rabbi wurde der Blick in die Hölle gewährt. Dort saßen die Seelen der Verstorbenen um einen großen Topf mit einer herrlichen Suppe. Sie hatten alle riesige Löffel in den Händen, so groß, dass sie diese gar nicht zum Mund führen konnten. Sie waren der herrlichen Suppe so nah, und litten trotzdem Hungersnot. Dann durfte der Rabbi  in den Himmel schauen. Auch hier saßen die Seelen der Verstorbenen um einen Topf mit herrlicher Suppe. Auch hier hatte jeder von ihnen diese übergroßen Löffel in der Hand. Aber keiner hungerte. Denn jeder gab dem anderen mit seinem Löffel zu essen.“ Urheber: Diakon Raymund Fobes